Klassische Kabinette von großen Mosellagen

M°vin steht für Wein von der Mosel, eigentlich eher für fruchtsüße Kabinettweine. Nur diese werden von M°vin angeboten, das auf einen Initiative der gebürtigen Moselaner Roman Bastgen und Felix Schon zurückgeht. Die beiden hatten während ihres Studiums in Köln erlebt, dass die Kabinettweine ihrer Heimat bei ihren Kölner Freunden und Bekannten sehr gut ankamen, selbst bei jenen die nur ganz trockene Weine trinken wollten.

So kamen sie auf die Idee, die Weine unter dem Label M°vin zu vermarkten und damit diese typischen Moselweine bekannter zu machen. Für diese Idee haben sie einige junge Winzer von der Mosel gewonnen, die jeweils einen Kabinett zum Portfolio von M°vin beisteuerten. Wir steuern diesen Betrag bei und hoffen, dass er hilft, diesen typischen Moselweinen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Vier Weine, die M°vin uns zur Verfügung stellte, haben wir verkostet. Kabinettweine aus zwei unterschiedlichen sehr bekannten und ausgezeichneten Lagen der Mosel, von vier Winzern. Alle Winzer haben uns zusätzliche Informationen zu Weinen und/oder Weinberg und -keller gegeben.

 

©️ Daniel Kirsten

Seit sechs Jahren ist Daniel Kirsten im elterlichen Weingut für den Keller zuständig. Ursprünglich zog es ihn nicht so zum Winzerberuf hin, erst nach Abschluss einer Schreinerlehre, wendete er sich dem Weinbau zu. Derzeit arbeitet er noch bei der DLR (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum) Mosel und ist damit über neue Entwicklungen im Weinbau bestens informiert.

Sein Motto im Weinberg lautet: Gepflegtes Nichtstun, will heißen, er führt nur gängige Arbeiten wie beispielsweise, den Laubschnitt durch. Seit zwölf Jahren keine Düngung und eine spontan entstandene Dauerbegrünung haben zu einer standorttypischen Artenvielfalt geführt. Das bedeutet nicht nur, dass Bodenflora und -fauna in Ordnung sind, sondern auch, dass die Lage beziehungsweise die Parzelle spricht, also den Wein standorttypisch prägt.

Daniel Kirsten ist der Auffassung, dass große Weine im Kopf entstehen, dass man also wissen muss was man will. Er hat darum in den letzten zwölf Jahren viel Zeit darauf verwendet herauszufinden welcher Weinberg für welchen Weintyp am besten geeignet ist. So auch beim verkosteten Riesling Kabinett 2017, dessen Trauben aus 2-3 kühleren, etwas höher gelegenen Parzellen stammen, die relativ früh Schatten haben. Die Lese der Trauben ist verhältnismäßig früh, um Saftigkeit und Säure des Riesling zu erhalten. Kühlung des Mosts, keine Mostschwefelung, dann Warten auf Beginn der spontanen Gärung. Nach dem Gärstopp durch Kühlung bleibt der Kabinett bis etwa Mitte Dezember auf der Vollhefe, danach bis zur Abfüllung noch rund zwei Monate auf der Feinhefe.

Piesporter Goldtröpfchen Riesling Kabinett 2017, Daniel Kirsten
Im Duft orange, würzige Noten, etwas Bergamotte, am Gaumen zarte Kräuterwürze, orangig-fruchtige präsente Säure, seht gut integriert, schönes Spiel von Säure und Süße, schöner Abgang mit kraftvolller Frucht. Sehr guter Wein.

 

©️ Florian Blesius

Schon mit etwa zwölf Jahren war Florian Blesius klar, dass er im Weinbau arbeiten wollte. Nun ist er bereits seit 13 Jahren im elterlichen Weingut tätig. Bei den Weinen ist seine Devise: So wenig wie möglich. Das fängt im Weinberg an, wo möglichst wenig Bodenlockerung sowie grundsätzlich zuerst einmal keine Düngung angesagt ist und setzt sich bei den Weinen fort, die nach der Gärung, bis zur Filtration und der sich unmittelbar anschließenden Füllung auf der Vollhefe bleiben.

Die Trauben für den verkosteten 2017 Kabinett stammen aus verschiedenen Parzellen des Graacher Himmelreich. Bei der Lese wird darauf geachtet nur gesunde, nicht zu reife Trauben zu ernten, die auf keinen Fall Botrytis aufweisen sollten. Die händische Lese erfolgt in kleine Kisten, die geleert in 700 l Edelstahlbütten, zum Weingut transportiert und dort nach Pressung spontan vergoren werden. Im Fall des 2017 Kabinetts dauerte die Gärung von Anfang Oktober bis Mitte November 2017, die Füllung erfolgte etwa im April 2018.

Graacher Himmelreich Riesling Kabinett 2017, Florian Blesius
Guter Wein mit einem Dreiklang von Frucht, würzigen und zart floralen Noten, guter Komplexität und einem sehr schönen Abgang mit guter Länge.

 

©️ Mathias Kerpen

Mathias Kerpen hat seine Winzerlehre an der Mosel bei Thorsten Melsheimer und in der Pfalz bei Gregor Meßmer absolviert und wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres, das im Anschluß an die Lehre in Geisenheim begonnene Studium von Weinbau und Önologie abschließen. Seit 2015 macht er den Keller im elterlichen Weingut, vorausgesetzt, dass es die Zeit zulässt.

Beim Wein folgt er der Philosophie: Qualität entsteht ausschließlich im Weinberg. Das bedeutet für ihn, dass nur eine perfekte Arbeit im Weinkeller, die im Weinberg erzielte Qualität erhalten kann.
Die Weinberge werden nach Bedarf, ausschließlich organisch gedüngt, in der Regel ist dies etwa alle drei Jahre. Die Trauben werden physiologisch reif geerntet. In gesunden Jahren erfolgt keine Selektion der Trauben, wobei für die Kabinettweine gilt, dass das Lesegut immer zu 100 % gesund sein sollte.
Die händische Lese erfolgt in kleine 40l Behälter. Nach schonender Pressung und Sedimentation im Vorklärtank schließt sich die Vergärung mit indigenen Hefen im Holzfass an. Die erste Schwefelung erfolgt beim Abstoppen der Gärung. Die Stabilisierung des Weins erfolgt einzig und allein durch den Faktor Zeit, alles nach dem Motto, so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Graacher Himmelreich Riesling Kabinett 2017, Mathias Kerpen
Im Duft etwas Botrytis und zarter Honig, im Mund leicht steinige Anklänge, Zitrus und etwas Gerbstoff. Guter, trinkiger Wein mit ordentlichem Abgang, getragen von zarten Bitternoten und leichtem Gerbstoff.

©️ Mario Schwang

Mario Schwang hat in Geisenheim Getränketechnologie und Önologie studiert und im Jahr 2006 das Weingut Reuscher-Haart in Piesport von seinem Vater übernommen. Das Weingut blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück, – der Vertreter der 29. Generation des Familienstamms ist Mario Schwangs drei Monate alter Sohn Carlo.

Vier Punkte bestimmen die Philosophie des Weinguts. Klasse statt Masse, was zum einen bedeutet optimale Bedingungen für die Reben zu schaffen und andererseits durch Ertragsbeschränkung Aroma- als auch Mineralstoffe positiv zu beeinflussen. Wachstum im Einklang mit der Natur, weiterer Punkt, führt dies zum einen fort, beispielsweise durch begrünte Ertragsanlagen, ebnet aber, durch die Schaffung einer intakten Mikro-Flora und -Fauna, auch den Weg zum nächsten Punkt der Weingutsphilosphie: Jeder Wein hat einen Charakter, was sich auf Spontanvergärung und die angestrebte Jahrgangs – und Terroirspezifität der Weine bezieht. Der letzte Punkt Natürlicher Weinausbau stellt ein kontrolliertes Nichtstun als das anzustrebende Ideal dar.

Kabinettweine stehen schon seit Jahrzehnten im Fokus des Weinguts. Beim Kabinett sind Mario Schwang Charakteristik und Aromareife äußerst wichtig, was heißt der Erntezeittpunkt orientiert sich an der Ausbildung von Aroma und reifer Säure und nicht daran weniger Alkohol für einen Kabinettwein zu bekommen. Gerade auch für den Kabinett gilt, dass seine fruchtige Säure und die Schiefermineralität der Moselsteilhänge seine entgegengesetzte Restsüße optimal abpuffern.

Piesporter Goldtröpfchen Riesling Kabinett 2017, Mario Schwang
Heu, Zitronenschale, zart kräuterig, am Gaumen kräuterig-medizinische Noten, feine Mineralität, leicht fleischig, frische Säure, schön balanciert, gut persistierend am Gaumen, straff, mit Zug, druckvoll im Abgang. Guter Wein

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