Muffato della Sala – Italienischer Sauternes?

Hans und ich waren uns einig bei unserem Italienischer Abend im Urteil über den Muffato della Sala 2011 von Castello della Sala: In der Nase wie Sauternes, am Gaumen aber doch kräftiger, die Süße etwas zu spürbar, gewisse Ähnlichkeiten mit Passito vorhanden, dennoch kein Passito – kurzum ein sehr guter, eigenständiger italienischer Süßwein.

Das Castello della Sala, ein Weingut im Besitz der Familie Antinori, liegt unweit von Orvieto. Dort gedeihen auf mit Fossilien durchsetzten Böden, lehmig, sedimentären und vulkanischen Ursprungs, die Reben für den Muffato. Hergestellt wird er aus 60% Sauvignon Blanc, die restlichen 40% kommen von Grechetto, Sémillon, Traminer und Riesling. Als IGT Umbria klassifiziert ist er ein Umbria bianco passito, dem wenig vorgeschrieben wird. Er darf von trocken bis süß produziert werden, nur die Höhe des zuckerfreien Extrakts und ein minimaler Säuregehalt von 3,5, Gramm pro Liter sind vorgeschrieben.

Die Trauben werden jedoch … Weiterlesen

Ausdrucksstarker Málaga PX Añejo

Eine Rundreise in Andalusien stand auf dem Programm unserer Freunde und Nachbarn, unter anderem waren auch einige Tage in Málaga geplant. Deshalb bat ich Heinz und Mausi, mir einen süßen Málagawein mitzubringen, wobei ich betonte dass Typ, Alter, Süße und Stil ganz egal seien, einfach den erstbesten Süßwein.

Beim süßen Málaga ist es nämlich nicht so einfach die vielfältigen Nomenklaturen miteinander in Einklang zu bringen. So gibt es Vino de licor, Vino de uvas sobremaduradas und Vino de uvas pasificadas, die noch gut nachvollziehbare Einteilung nach der Dauer Reifung Noble (2-3 Jahre), Añejo (3-5 Jahre) und Transañejo ( über 5 Jahre), darüberhinaus gibt es aber noch viele weitere traditionelle Bezeichnungen, welche Farbe, Süßegrad oder auch die Verwendung von Arrope, einem konzentriertem Traubenmost betreffen.

Der aus Malaga mitgebrachte Wein Antakira P.X. Añejo war ein Vino de Licor, rein aus der Rebsorte Pedro Ximénez hergestellt, – somit laut Vorschrift mit mehr … Weiterlesen

Santorins rote Süße

Santorin ist nicht nur wegen seiner weiß-blauen Postkartenidyllen bekannt, sondern auch durch den Vinsanto, einen Süßwein aus den weißen Trauben Assyrtiko, Aidani und Athiri. Weniger bekannt ist dahingegen ein roter Süßweins Santorins, rein aus der Sorte Mandilaria hergestellt. Einen Wein dieses Typs, den Apiliotis der Domaine Sigalas, hatte Alex aus seiner ursprünglichen Heimat mitgebracht, als er das letzte mal mit seiner Frau und den Kindern bei uns zum Essen eingeladen war.

Beide Weine werden ähnlich hergestellt. Das beginnt schon bei der Reberziehung Koulora, bei der die Weintriebe zu einem Kranz „geflochten“ werden, innerhalb dessen die Trauben wachsen und dadurch vor den oft stark wehenden, mit viel Sand angereicherten Winden geschützt sind. Sie teilen sich auch den gleichen kargen, stark sandhaltigen, aus Vulkanasche und Bimstein bestehenden Boden – Grund dafür, dass alle Weine Santorins aus wurzelechten Reben hergestellt werden. Die Reblaus konnte dieses extrem unwirtliche Umfeld … Weiterlesen

Vin de Paille der Côtes du Jura

An den westlichen Ausläufern des Massif de Jura, entlang der Staße N 83, liegt etwa 200 bis 400 Meter hoch das rund 650 Hektar große Weinbaugebiet Côtes du Jura. In einem halbkontinentalen, eher kühlen und mit rund 1100 mm jährlichem Niederschlag auch eher feuchten Klima, werden dort rund 25.000 Hektoliter Wein pro Jahr hergestellt, überwiegend (~ 2/3) Weißwein, der Rest Rotwein, Vin Jaune und auch etwa 550 Hektoliter Vin  de Paille, wie Strohwein, also Wein rosinierter Trauben in Frankreich heißt.

Für die Vin de Paille dürfen in den Côtes du Jura Trauben der beiden weißen Sorten Chardonnay und Savagnin und auch der beiden roten Sorten Poulsard und Trousseau verwendet werden. Der Erntertrag ist auf 20 Hektoliter pro Hektar begrenzt. Neben händischer Lese und Selektion ist auch eine mindestens sechswöchige Trocknung der Trauben vorgeschrieben, der die Pressung und die langsame Vergärung folgt. Mindestens 14% Vol. Alkohol muss … Weiterlesen

Schweizer Strohwein vom Rhein

Vom Tessin bis ins Aargau führte uns unsere Schweizer Weinreise dieses Jahr im Juni. Dabei lernten wir auch den Räuschling, eine autochthone schweizerische Rebsorte kennen, von der weltweit nur 25 Hektar angebaut werden, 18 Hektar davon am Zürichsee. Die Eltern der Rebsorte sind die Rebsorten Weißer Heunisch, auch als Gouais Blanc oder Gwäss bekannt sowie die im Jura Savagnin Blanc und in der Schweiz Heida benannte Rebe. Gouais Blanc, die auch ein direkter Vorfahre des Riesling ist, scheint wohl für die prägnante, starke Säure zu sorgen und prädestiniert deswegen die Rebsorte als sehr gut für Süßwein geeignet.
Elf verschiedene Weine vom Räuschling haben wir vergangenen Freitag in Stäfa, der mit 50 Hektar Rebfläche größten Weinbaugemeinde des Zürichsees verkostet, alle trocken – kein einziger süß. Doch am folgenden Tag, konnten wir schon beim zweiten Winzer, dem Weingut Pircher in Eglisau, einen Strohwein verkosten, bei dem der RäuschlingWeiterlesen