Muffato della Sala – Italienischer Sauternes?

Hans und ich waren uns einig bei unserem Italienischer Abend im Urteil über den Muffato della Sala 2011 von Castello della Sala: In der Nase wie Sauternes, am Gaumen aber doch kräftiger, die Süße etwas zu spürbar, gewisse Ähnlichkeiten mit Passito vorhanden, dennoch kein Passito – kurzum ein sehr guter, eigenständiger italienischer Süßwein.

Das Castello della Sala, ein Weingut im Besitz der Familie Antinori, liegt unweit von Orvieto. Dort gedeihen auf mit Fossilien durchsetzten Böden, lehmig, sedimentären und vulkanischen Ursprungs, die Reben für den Muffato. Hergestellt wird er aus 60% Sauvignon Blanc, die restlichen 40% kommen von Grechetto, Sémillon, Traminer und Riesling. Als IGT Umbria klassifiziert ist er ein Umbria bianco passito, dem wenig vorgeschrieben wird. Er darf von trocken bis süß produziert werden, nur die Höhe des zuckerfreien Extrakts und ein minimaler Säuregehalt von 3,5, Gramm pro Liter sind vorgeschrieben.

Die Trauben werden jedoch wie im Sauternes von Hand in mehreren, aufeinander folgenden Durchgängen geerntet. Zur Ernte ist es nötig, dass die Trauben, zumindest zum Teil, muffa nobil“, die Edelfäule aufweisen, also vom Pilz Botrytis Cinerea befalllen sind, was meist Anfang November der Fall ist. Der Erntezeitpunkt richtet sich jedoch auch nach der jeweiligen Reife der einzelnen Rebsorten. Im Jahr 20101 begann die Lese Ende Oktober mit Traminer, dann folgten Riesling, Sauvignon und Sémillon, den Abschluss machte Ende November Grechetto.
Die jeweils geernteten Trauben werden im Weingut, wiederum wie im Sauternes, noch einmal nachselektiert. Nach der schonenden Pressung vergärt der jeweilige Most etwa 18 Tage bei etwa 17° C. Anschließend wird der Wein für 6 Monate in Barriques aus französischer Eiche gereift. Danach erfolgt die Assemblage, dann einige Monate im Edelstahl und schließlich dann die Flaschenfüllung.

Muffato della Sala 2011, Castello della Sala (Verkostet)
Goldgelb mit zarten orangen Reflexen, in der Nase Botrytis, Aprikose, Orangenmarmelade und florale Noten. Am Gaumen präsente Süße, gut mineralisch, zarte Kräuternoten, druckvoll, langer, würziger, von Zitrusnoten und zarter Bitterheit getragener Abgang, sehr guter Wein mit runder, sehr schön balancierter Säure.

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