Sigrun Noble – Edelfäule von Marlborough

Die Tatsache, dass in dem auf der neuseeländischen Südinsel gelegenen Marlborough erstklassigen trockener Sauvignon Blanc hergestellt wird, wurde erst zum Ende der 1980er Jahre bekannt, als der Sauvignon Blanc von Cloudy Bay zum Kultwein wurde. Die Empfindlichkeit gegenüber Botrytis macht diese Sorte auch zu einem geeigneten Kandidaten für Süßwein, ebenso wie Riesling. Wenn das Mikroklima stimmt, ein Gewässer wie Fluss oder See in der Nähe ist, sich so nächtliche Nebel mit ihrer Feuchte entwickeln können, aber von den Trauben durch Wind und Sonne schnell wieder abtrocknen, sind dies normalerweise die idealen Bedingungen um Botrytis befallene Trauben zu erhalten. In Waihopotou Valley in Marlborough in der Region Southern Valleys herrschen solche Bedingungen. Das Klima ist kühl, die Säure dadurch ausgeprägt, der Boden steinig mit Lehmauflage und guter Wasserdurchlässigkeit. Das vor 10 Jahren in Blenheim gegründete Weingut Konrad bewirtschaftet dort Rebflächen, unter anderem bestockt mit Sauvignon Blanc und Riesling und produziert aus … Weiterlesen

Süßer Viognier von Down-Under

Mehr als 60 Weinbaugebiete gibt es in Australien,  hierzulande ist wohl nur ausgesprochenen Fans australischer Weine mehr als eine Handvoll davon bekannt: Shiraz aus beispielsweise McLaren Vale und Barossa Valley oder Cabernet Sauvignon aus Coonawarra.

Neben den bekannten süßen, alkoholverstärkten Rutherglen-Weinen, gibt es auch Weine, deren Trauben mit Botrytis geerntet werden. Wir haben einen süßen Viognier-Wein aus Südaustralien verkostet, dessen Name FSW8B Botrytis Viognier 2015 schon die Edelfäule verrät.
Der Hersteller Yalumba, 1849 gegründet, ist Australiens ältestes, in Familienbesitz befindliches Weinunternehmen und gehört zu jenen australischen Produzenten, die Viognier nicht nur als als sortenreinen Weißwein herstellen sondern auch als 5-10% ige Mischung mit Shiraz, ähnlich wie an der nördlichen Rhône verwenden. Der einzige der fünf sortenreinen weißen Viognier-Weine von Yalumba, der aus Trauben hergestellt wird, die aus Wratonbully kommen, ist der FSW8B. Wratonbully, ein Weinbaugebiet nördlich von Coonawarra, mit dem gleichen, sehr gut besonders für … Weiterlesen

Muffato della Sala – Italienischer Sauternes?

Hans und ich waren uns einig bei unserem Italienischer Abend im Urteil über den Muffato della Sala 2011 von Castello della Sala: In der Nase wie Sauternes, am Gaumen aber doch kräftiger, die Süße etwas zu spürbar, gewisse Ähnlichkeiten mit Passito vorhanden, dennoch kein Passito – kurzum ein sehr guter, eigenständiger italienischer Süßwein.

Das Castello della Sala, ein Weingut im Besitz der Familie Antinori, liegt unweit von Orvieto. Dort gedeihen auf mit Fossilien durchsetzten Böden, lehmig, sedimentären und vulkanischen Ursprungs, die Reben für den Muffato. Hergestellt wird er aus 60% Sauvignon Blanc, die restlichen 40% kommen von Grechetto, Sémillon, Traminer und Riesling. Als IGT Umbria klassifiziert ist er ein Umbria bianco passito, dem wenig vorgeschrieben wird. Er darf von trocken bis süß produziert werden, nur die Höhe des zuckerfreien Extrakts und ein minimaler Säuregehalt von 3,5, Gramm pro Liter sind vorgeschrieben.

Die Trauben werden jedoch … Weiterlesen

Grand Cru von der Loire Quarts de Chaume

Zwölf Hektar mit Chenin Blanc bepflanzter Weinberge bewirtschaftet das in der Gemeinde Rochefort-sur-Loire gelegene Weingut Château Bellerive. Ein Teil dieser Gemeinde liegt in der 54 Hektar großen Appellation Quarts de Chaume, die zugleich Teil der knapp 3.400 Hektar großen AOC Coteaux du Layon ist.

Weine aus Quarts de Chaume, konzentriert, ausdrucksstark und äußerst langlebig, besitzen den Status Grand Cru, der auch auf dem Etikett ausgewiesen werden darf – die Weine der Appellation Coteaux du Layon dürfen nur mit Premier Cru gekennzeichnet werden.
Der Status Grand Cru ist nicht nur auf den mit 20 Hektoliter pro Hektar sehr geringen Ertrag zurückzuführen, sondern vor allem auf die Lage. Die Weinberge in Quarts de Chaume besitzen den Vorzug einer vor kalten Nordwinden geschützten, südlichen Ausrichtung in Form eines Amphitheaters. Die auf den braunen, schiefer- und karbonhaltigen Böden reifenden Trauben werden zudem häufig von Botrytis (Edelfäule) befallen, da im Bereich … Weiterlesen

Tokaji – Ungarns süße Wunder

Zoltan Sánta , Mitglied des Vorstands der Weinakademiker hatte zur Verkostung Anfang Oktober in die Münchner Kork Weinbar zwar überwiegend trockene ungarische Weine mitgebracht, aber immerhin auch vier süße Weine aus Tokaj. 134 Rebsorten gibt es in Ungarn, aber nur sechs davon sind für die Produktion des süßen Tokaji zugelassen: Furmint, Hárslevelû, Sárga Muskotály (Muscat Blanc a petits grains), Zéta, Kövérszõlõ und Kabar.

Die Reben im Tokaj wachsen überwiegend auf mineralischen Böden aus vulkanischem Tuffstein, wie Rhyolit, Andesit oder Dazit, in tieferen Lagen mit Oberböden aus Ton, Lehm und Löss. Die Erträge liegen oft bei nur wenigen Hektoliter pro Hektar. Meist werden die botyrisierten Trauben in mehreren Lesedurchgängen per Hand ausgelesen. Ist weniger als die Hälfte der Trauben eines Weinbergs von Botrytis befallen, werden die Trauben wie gelesen verarbeitet. Daraus entsteht häufig ein süßer Szamorodni, von denen wir zwei im ersten süßen Flight Late Harvest verkosteten.

Der erste aus … Weiterlesen