Tokaji – Ungarns süße Wunder

Zoltan Sánta , Mitglied des Vorstands der Weinakademiker hatte zur Verkostung Anfang Oktober in die Münchner Kork Weinbar zwar überwiegend trockene ungarische Weine mitgebracht, aber immerhin auch vier süße Weine aus Tokaj. 134 Rebsorten gibt es in Ungarn, aber nur sechs davon sind für die Produktion des süßen Tokaji zugelassen: Furmint, Hárslevelû, Sárga Muskotály (Muscat Blanc a petits grains), Zéta, Kövérszõlõ und Kabar.

Die Reben im Tokaj wachsen überwiegend auf mineralischen Böden aus vulkanischem Tuffstein, wie Rhyolit, Andesit oder Dazit, in tieferen Lagen mit Oberböden aus Ton, Lehm und Löss. Die Erträge liegen oft bei nur wenigen Hektoliter pro Hektar. Meist werden die botyrisierten Trauben in mehreren Lesedurchgängen per Hand ausgelesen. Ist weniger als die Hälfte der Trauben eines Weinbergs von Botrytis befallen, werden die Trauben wie gelesen verarbeitet. Daraus entsteht häufig ein süßer Szamorodni, von denen wir zwei im ersten süßen Flight Late Harvest verkosteten.

Der erste aus dem Jahr 2008 von der Holdvölgyi Winery, wird zu 100% aus Zéta hergestellt, einer Kreuzung von Furmint und Bouvier, die früher auch unter dem Namen Oremus bekannt war. Die Trauben für diesen Wein wurden nach 18-stündiger Mazeration gepresst. Die anschließende Gärung erfolgte in Edelstahl und der darauf folgende Ausbau 18 Monate im Holzfass.
Die Szent Tamás Winery, deren einer Mitbesitzer István Szepsy Jr, Sohn des gleichnamigen bekannten Tokaji-Poduzenten ist, stellte den zweiten aus 50% Furmint, 30% Sárga Muskotály und 20% Hárslevelű hergestellten Szamorodni Sweet 2013. Mit 1.000 kg/ha war der Ertrag dafür äußerst gering. Gärung und einjähriger Ausbau erfolgte in 400l-Fässern aus Zemplén-Eiche.

Flight Late Harvest

Intuition No. 1, Szamorodni Sweet 2008, Holdvölgyi Winery
Sehr wenig Botrytis, Orange, zart würzig, mittel komplex, ansprechende gute Säure, angenehme Süße, wirkt äußerst frisch, sehr trinkig, sehr guter Wein.
12% Alkohol, 142 g/l Restzucker, 7,7 g/l Säure.

Szamorodni Sweet 2013, Szent Tamás Winery
Botrytis pur, zarte Aprikose, gute Komplexität, im Mund wieder Aprikose, Noten von Botrytis und Trauben, sehr runde feine Säure, frisch mit guter Süsse, noch gut in Balance, sehr guter Abgang, sehr guter Wein.
12,5% Alkohol, 162 g/l Restzucker, 6,5 g/l Säure.

Beim nächsten Flight Aszú kamen ein 5 puttonyos und ein 6 puttonyos zur Verkostung. Aszú Weine werden in der Regel so hergestellt, dass die angetrockneten und meist botyrisierten Trauben für Tage oder auch Wochen mit einem Grundwein von „gesunden“, also nicht botyrisierten und/oder angetrockneten Trauben derselben Lagen mazeriert und vergoren werden. So auch beim Tokaji aszú 5 puttonyos 2008 des Weinguts Tokaji-Hétszőlő aus 100% Furmint. Vergärung und der etwa 30-monatige Ausbau erfolgen überwiegend in neuem Holz. Die Trauben von Furmint, Hárslevelű und Sárga Muskotály für den Tokaji aszú 6 puttonyos 2013 des Weinguts Royal Tokaji wurden 48 h mazeriert, danach 3 – 6 Monate vergoren und nach etwa 2-jähriger Reife abgefüllt.

Flight Aszú

Tokaji aszú 5 puttonyos, 2008, Tokaji-Hétszőlő
In der Nase sehr reife, runde Frucht, weich, Ananas pur, etwas Zitrus, gut komplex. Im Mund äußerst fruchtig, sehr ansprechende feine Säure die dem Wein zu einer ausgezeichneten Balance verhilft, ein sehr leichtfüßiger Wein mit langem, fruchtigen Abgang. Ausgezeichneter Wein.
11% Alkohol, 151 g/l Restzucker, 10,2 g/l Säure.

Tokaji aszú 6 puttonyos, 2013, Royal Tokaji
Feine runde Nase mit zarter Vanille und Noten gelber Früchte, im Mund mit angenehmer Süße, noch gut von der Säure tariert, guter Abgang. Sehr guter Wein.
10,5% Alkohol, 188 g/l Restzucker, 8,1 g/l Säure.

Weitere Informationen zu Preis der verkosteten Weine, Tokaj-Anbaugebiet, Weinbereitung Aszú-Weine, Tokaji-Weinstile.

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