Ratafia – Polyglotter Likörwein aus Südafrika


Haute Cabrière © Jeanine Smal Pixabay

Lange schon wollte ich, das durchaus groß zu nennende Weinangebot des Getränkemarkts, bei dem ich Wasser, Bier und auch Whisky kaufe, einmal näher anschauen – dies auch unter dem Aspekt, ob wohl ein interessanter Süßwein darunter sei. Ich wurde fündig, Verpackung als auch Flasche erweckten meine Aufmerksamkeit, ebenso wie der Name Ratafia, der mich eher an Spanien erinnerte, denn an Südafrika, von wo aus er, abgepackt auf einem Weingut mit dem französischen Namen Haute Cabrière von dem offensichtlich deutschstämmigen Takuan von Arnim, möglicherweise ein Nachkomme eines Verfassers der Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn, seinen Weg in einen oberbayerischen Getränkemarkt fand.

Eine Suche im Netz zeigte schnell, dass es zwar einen katalanischen Kräuterlikor gleichen Namens gibt, aber auch, dass der Begriff Ratafia, zumindest im Burgund und in der Champagne, für eine Mischung aus Traubenmost und Weinbrand steht. Das Weingut Haute Cabrière wiederum liegt im südafrikanischen Franschhoek Valley, einem Tal, das Ende des 17. Jahrhunderts französischen Hugenotten übereignet wurde. Anfang der 1980er Jahre erwarb und gründete Achim von Arnim, bis dahin Kellermeister im unweit gelegenen Boschendal Estate, das Weingut, nahe den südwestlichen, granitdurchsetzten Hängen des Franschhoek Passes gelegen, welches nun seit 2013 von seinem Sohne Takuan geführt wird. Das Weingut ist vor allem für seine Weine aus Chardonnay und Pinot Noir, sowie seine nach der Méthode-Cap-Classique hergestellten Schaumweine bekannt.

Der verkostete Wein wird ähnlich wie in Frankreich aus angegorenem Traubenmost und Weinbrand hergestellt. Im Falle des Ratafia sind sowohl Most als auch der Brandy aus Chardonnay hergestellt. Der Most wird im Edelstahltank angegoren, die Gärung mit Weinbrand gestoppt, was den verbliebenen Mostzucker bewahrt.

Ratafi Pierre Jourdan, NV, Haute Cabrière (Verkostet)
Goldgelb im Glas. In der Nase mit exotischen Früchten, etwas Getreide sowie sehr zarten Holznoten (wohl vom Weinbrand), am Gaumen sehr rund, mit milder Säure, zart marmeladigen, rotfruchtigen Noten von Himbeere und Kirsche, dezente, angenehme Süße, insgesamt gut vom Alkohol balanciert. Durchaus schon ein sehr guter Wein.

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