
Die Flasche Mas Amiel ’69 hatte Hans mitgebracht, er hatte sie zusammen mit seinen letzten Gästen nicht zur Gänze geleert.
Das Weingut Mas Amiel, weltweit bekannt für seine Vin Doux Naturel, liegt in Südfrankreich, im Herzen des Roussillon in der Gemeinde Maury, etwa 30 km nordwestlich von Perpignan. Auf rund 100 Hektar Rebfläche gedeiht dort auf Böden von kalkhaltigen schwarzen Schiefer und Schiefermergel überwiegend Grenache Noir. Diese Rebsorte findet sich auch überwiegend in den roten Vin Doux Naturel, die es in den Versionen Grenat und Tuilé gibt.
Erstere werden reduktiv, also unter weitgehender Vermeidung des Kontakts mit dem Luftsauerstoff vinifiziert, können deswegen auch noch oxidieren und sollten nach Öffnung bald getrunken werden. Im Gegensatz dazu bleiben die oxidativ ausgebauten, sehr komplexen Tuilé-Versionen nach ihrer Öffnung über Monate stabil.
Der Mas Amiel ’69, – wie der Name sagt Jahrgang 1969 -, besteht zu 90% aus Grenache Noir und zudem aus 5% (weißer) Macabeu und 5% Carignan. Die Trauben dafür gediehen in einer südlich ausgerichteten Lage auf Böden von verwittertem Schiefer und schwarzem Mergel. Nach händischer Lese und Entrappung sowie der Aufspritung, Mutage genannt, verbleibt diese Mischung 30 Tage lang auf der Maische, um so Aromen und Polyphenole aus den Trauben zu extrahieren. Danach erfolgt der einjährige Ausbau im Freien, – in 65 l-Glasballons der Sonne und allen Wetterunbilden ausgesetzt. Dem schließt sich die jahrelange Reifung in großen Eichenfässern an.
Mas Amiel ’69 (Verkostet)
In der Nase Rosine, Pflaume, Nuss und würzige Noten, vermischt mit etwas Unterholz. Am Gaumen zitrische Frische gepaart mit Kaffee, – spritzig anmutend, fast wie Cola. Kräuter der Garrigue und salzige Noten im langen Nachhall. Hoch komplexer, eleganter und hervorragender Süßwein.