Wein-Gespräch: Günter Triebaumer

Herausforderung Süßwein

Guenter Triebaumer low res

Günter Triebaumer hat zusammen mit seiner Frau Regina das Weingut vor 11 Jahren von seinen Eltern übernommen. Seither verfolgt er beständig den Weg der hohen Qualität, der sich auch in den diversen Weinführern positiv niederschlägt.

Herr Triebaumer, woher kommt es, dass 14 der 46 Ihrer im Falstaff mit 90 und mehr Punkten geführten Weine, also rund 30%, Süßweine sind?

Wir haben haben da schon einen gewissen Ehrgeiz. Der letzte grosse Süßwein-Jahrgang, botrytismäßig gesehen, ist 2008 gewesen. Seit diesem Zeitpunkt ist es schon eher schwer. Wenn es Botrytis gegeben hat, dann war diese sehr spät oder nur sehr spärlich. Hatten wir früher bis zu 1000 l Ausbruch vom Welschriesling, so waren es in den letzten Jahren nur 300 – 400 l und teilweise erst Mitte bis Ende Januar gelesen. Das ist sehr aufwändig und nervenzerfetzend, aber bisher hat es immer noch funktioniert: beim Süßwein muss immer auch ein gewisser sportlicher Ehrgeiz dabei sein.
 Wenn Sie jetzt den Falstaff ansprechen,- ich bin ein ehrlicher Mensch -, als Burgenländer reicht man rot oder süß beim Falstaff ein, wenn man hohe Punkte will. Wir produzieren jedes Jahr die ganze Süßweinpalette und reichen die Süßweine jedes Jahr ein, nicht zuletzt auch deswegen, weil sich herausgestellt hat, dass wir dabei immer sehr weit vorne mitspielen.

Wie bildet sich der Aufwand im Preis ab?


Der Süßwein gehört zu Rust dazu. Wir verkaufen 98% über Wiederverkäufer, da gibt es keine großen Preisschwankungen, man kann sich vielleicht innerhalb eines Jahrzehnts nach oben verändern, aber nicht sagen, heuer hatte ich einen großen Aufwand, ich muss den Preis deshalb verdoppeln.
 Der Aufwand kann aber enorm sein, denn es ist ein Unterschied, ob man Mitte bis Ende Oktober Botrytis kriegt, wie von 2005 bis 2008 oder erst Ende Januar. Denn dann steht alles was man zur Ernte braucht, mehr oder weniger ein halbes Jahr herum. Der  Aufwand in einem Betrieb wie unserem, der ursprünglich 6 Hektar und derzeit 30 Hektar verarbeitet, jetzt sozusagen fast aus allen Nähten platzt, ist dann unheimlich groß.

Wie verhält es sich mit den Rebsorten. Setzen Sie immer die gleichen Rebsorten zur Herstellung der Süßweine ein?


Süßweinmäßig sind wir eindeutig auf den Welschriesling fixiert, wir machen keinen trockenen Welschriesling mehr, das ist eher ungewöhnlich für einen burgenländischen Betrieb. Im Export ist Welschriesling vollkommen uninteressant – und wir haben ein Drittel Export. In der österreichischen Gastronomie haben sich andere die Domäne für Welschriesling bereits in den 80er Jahren gesichert zudem sah ich da auch keine großen Chancen, obwohl – unser trockener Welschriesling war immer sehr gut. Deswegen haben wir uns 2005 entschlossen, Welschriesling nur noch für Süßwein zu verwenden, denn die Sorte ist spätreif, hat ein gutes Säurepotential und wir wissen auf den Welschriesling können wir uns von allen Sorten am besten verlassen.
 Da wir beim Furmint ein gut eingeführtes Geschäft mit dem trockenen Furmint haben, wüßte ich auch nicht warum ich das Risiko eingehen sollte, den dünnschaligen, teilweise großtraubigen Furmint zu verwenden, denn wenn der an einem Ende Botrytis hat, kann er am anderen Ende schon irgendeinen anderen Schimmel haben. Dünnschalige Sorten auseinander zu selektionieren ist immer ein Massaker.
 Wir verwenden natürlich auch Burgundersorten, insbesondere in den letzten Jahren haben wir teilweise Chardonnay geopfert, damit wir irgendwie auf ein gewisses Quantum gekommen sind. Manchmal kommt ein bisschen Sauvignon- oder Furmint-Botrytis dazu, aber der große Motor ist der Welschriesling, die Sorte auf die man sich verlassen kann: Alles andere ist Beiwerk.

Was sagen Sie zu der manchmal vertretenen Ansicht, dass österreichische Süßweine zu süß sind?


Das war früher so, als es noch viel mehr Produzenten gab, die alle Süßweine produzieren wollten und die alle möglichen Sorten dazu verwendet haben, wie etwa Bouvier, Müller-Thurgau oder Neuburger. Das sind lauter früh- und mittelreifende Sorten mit geringem Säurepotential und hoher Botrytisanfälligkeit, weil diese Sorten teilweise dichttraubig und dünnschalig sind. Da kann man natürlich auch Trockenbeerenauslesen produzieren, aber das sind dann tatsächlich die karamelligen, malzigen Süßweine. In Österreich hat sich in dieser Hinsicht aber sehr viel geändert.
 Uns ist die Fruchtbrillanz ganz wichtig. Wir legen Wert darauf, dass – soweit das bei dem Traubenmaterial für Süßwein möglich ist – eine Fruchtkomponente und eine Lebhaftigkeit vorhanden ist. Deshalb füllen wir die Süßweine schon im Mai, also noch vor dem Sommer und vor allem auch mit Schraubverschluss ab.

Sie haben eine süße Traminer Spätlese mit verhältnismäßig hoher Säure. Woher kommt das?


Die Säure kommt von den Böden und von den Rebstöcken. Es gibt inzwischen sehr viel divergierende Philosophien. Ich bin der Ansicht, dass aus Gründen mechanischer Verletzungen, die der Rebstock innerhalb von 20 Jahren erleidet, zum Beispiel bedingt durch die mechanische Unkrautbekämpfung, nicht mehr der ganze Stammquerschnitt in der Lage ist, Wasser und Nährstoffe zu transportieren.
Wir haben ein Programm im Betrieb, bei dem jedes Jahr ein halbes oder ein dreiviertel Hektar einer Erneuerung unterzogen wird. Das  bedeutet, dass wir im ersten Jahr von der Veredelungsstelle einen neuen Trieb nach oben züchten, was ein ein sehr hoher Aufwand ist. Wenn dieser Trieb soweit ist, dass er als Stamm dienen kann, wird der alte Stamm gekappt. Bei unserem Traminer, speziell bei einer der zwei Anlagen, hat das bewirkt, dass sich bei gleicher Qualität der Ertrag verdoppelt hat.
 Neuer Stamm und alte Wurzeln ist eine perfekte Kombination. Die gut eingewurzelten Reben haben auch den heißesten Sommer der letzten Jahre gut überstanden und sind  von der Säure her immer bei 6 g/l oder mehr.

Günter Triebaumer beantwortet eine Frage des Vorarbeiters der Erntemannschaft und fährt dann fort:


Wir haben interessante Weingartenlagen und eine super Erntemannschaft. Wenn Sie den Muskateller heute gesehen hätten, da hätten manche die Schere in die Kiste rein gehauen und gesagt „Jetzt mag i nimmer“. Wir haben das aber bis halb fünf so ausgelesen, dass das, was in den Kisten drin war, ausgeschaut hat, als wäre das heuer ein Superjahr, das, was noch am Stock war, hat aber ausgeschaut wie eine Katastrophe. 
Ich gehöre auch noch zu den Letzten, der seine Leute verpflegt. Ich finde eine gemeinsame Lesejause sehr schön. 20 bis 25 Leute sitzen auf einer langen Reihe an der Strasse oder neben dem Weingarten und essen miteinander Mittag. Diesen kleinen Luxus leiste ich mir.

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2 Gedanken zu „Wein-Gespräch: Günter Triebaumer“

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